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Immer wieder gibt es für Erzieher*innen und Lehrkräfte Situationen, die sehr herausfordernd sind. Große Bedürfnisunterschiede in Gruppen sowie Personalmangel führen nicht selten zu Stress und Überforderung. Wenn Kinder sich dann nicht an die Regeln halten und durch ihr Verhalten auffallen, greifen deswegen viele Pädagog*innen zu Maßnahmen wie z.B. Auszeit, Verbote, stiller Stuhl oder zu ähnlichen Bestrafungen.

Warum es so wichtig ist, in der Familie, in Einrichtungen, in Krippen und Kindergärten sowie in Schulen auf Bestrafung zu verzichten, möchte ich dir in diesem Blogartikel fachlich fundiert erklären. Zusätzlich erfährst du, welche Alternativen es gibt, damit Kinder kooperieren und sich alle in der Gruppe wohl fühlen dürfen.

Ich war selbst 7 Jahre Grundschullehrerin in jeder Klassenstufe und Klassenleitung. Zusätzlich habe ich durch meine Ausbildung im Bereich der Schulpsychologie viele verhaltensauffällige Kinder in Grund- und Mittelschule begleitet. Außerdem war ich als musikalische Früherzieherin in Krippen und Kindergärten tätig. Davor war ich 5 Jahre an der Ludwig-Maximilians-Universität und habe im Bereich der Entwicklungspsychologie promoviert und erforscht, was Kinder brauchen, um sich von ihren Bezugspersonen geliebt zu fühlen.

Vielleicht bist du selbst Fachkraft und es liegt dir etwas daran zu verstehen, warum es entwicklungshemmend ist, Kinder zu bestrafen. Vermutlich hast du, wie ich, in der Ausbildung oder im Studium gelernt, dass Kinder belohnt und bestraft werden müssen, damit ein erwünschtes Verhalten erzielt werden kann. Deswegen gehst du vielleicht davon aus, deinen pädagogischen Auftrag zu erfüllen, wenn du ein Kind auf den stillen Stuhl setzt und es aus der Gruppe ausschließt.

Eventuell kommt dir dann folgende Geschichte bekannt vor:
Alle Kinder sitzen im Morgenkreis und du möchtest euer schönes Morgenritual beginnen und da gibt es dieses eine Kind, das nicht bereit ist, mitzumachen. Es läuft durch den Raum, macht Geräusche oder ärgert vielleicht sogar andere Kinder. Dein Puls steigt an und du bist genervt, bevor der Tag erst richtig begonnen hat. Schließlich hast du dir gestern extra Zeit genommen, etwas Schönes für die Kleinen vorzubereiten.

Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, dieses Problem zu lösen. Wenn du das Kind jetzt aus der Gruppe ausschließt und auf den stillen Stuhl setzt oder es in einen anderen Raum für eine Auszeit schickst, passiert im Kind Folgendes:
Es stellt sein Verhalten vielleicht ein, weil es nicht ausgeschlossen werden möchte, somit handelt es aus Angst und nicht aus Einfühlung für die Gruppe heraus.

 

Alternative: 1. Beispiel

Die Fachkraft kann Nähe zum Kind aufbauen und ihm Führung durch geistige und körperliche Präsenz anbieten. Sie kann ihm ins Ohr flüstern: “Bist du noch ganz aufgeregt und möchtest dich bewegen? Möchtest du dich neben mich setzen im Kreis? Schau mal, alle anderen Kinder freuen sich schon sehr auf unser GUTEN-MORGEN-LIED. Bist du auch bereit, mitzumachen?”
Das Kind unterwirft sich deiner Macht und ist brav. Dabei bleiben trotzdem die Bedürfnisse des Kindes unerfüllt, das vielleicht gerade deine Aufmerksamkeit, Nähe und Beziehung braucht, um kooperieren zu können.

 

Alternative: 2. Beispiel

Die Fachkraft kann sich die Frage stellen, wie sich das Kind gerade fühlt und was es braucht. Vielleicht haben seine Eltern morgens gestritten oder es war ganz stressig und das Kind braucht erst noch Zeit, um anzukommen? Vielleicht fällt ihm auch der Übergang schwer oder es möchte den anderen Kindern zeigen, wie lustig es sein kann (Bedürfnis nach Zugehörigkeit). Dieser feinfühlige Blick kann helfen, um keine Macht ausüben zu müssen.
Das Kind rebelliert vielleicht auch und wird zornig und wütend, worüber das sogenannte Reptiliengehirn aktiv wird. In diesem Zustand ist das Kind nicht in der Lage, den präfrontalen Kortex (oberes Gehirn, das für die Moral- und Vernunftsentwicklung zuständig ist) weiterzuentwickeln.

 

Alternative: 3. Beispiel

Die Fachkraft könnte tief durchatmen und sich überlegen, welches Ziel sie in der Erziehung des Jungen verfolgt und was jetzt gerade wichtiger ist. Das Lied und das Funktionieren des Morgenkreises oder das Wohl aller Kinder? Natürlich steht die Gruppe in einer Einrichtung oder Schule im Fokus und wenn ein Kind morgens bereits sehr bedürfnisstark und bindungsleer ankommt, gibt es manchmal keine andere Wahl, als mit dem Kind kurz den Raum zu verlassen, um die Gruppe zu schützen. Gleichzeitig ist es dabei möglich, das Kind nicht für sein Verhalten zu verurteilen und das Bedürfnis hinter dem Verhalten zu erkennen.
Das Kind handelt nur aufgrund externem Druck und Macht. Sobald die Person, die machtvoller ist, weg ist (in dem Fall der/die Erzieher*in), hat das Kind keinen Anreiz mehr, zu kooperieren. Es lernt zusätzlich durch das Verhalten der Bezugsperson nur, dass durch gewaltvolle Macht etwas erreicht werden kann und sobald keiner zuschaut, könnte es durchaus passieren, dass dieses Kind dann Macht Schwächeren gegenüber anwendet, um seine Ohnmacht zu kompensieren.

 

Alternative: 4. Beispiel

Wenn die Fachkraft z.B. kurz mit dem Kind spricht, sich auf seine Augenhöhe begibt und ihm, wie oben beschrieben, Einfühlung und Führung schenkt (“Du bist ganz aufgeregt. Du bist noch nicht bereit, leise zu sein. Ich setze mich zu dir und wir beginnen jetzt das Lied, weil alle in der Gruppe sich schon so darauf freuen. Bist du bereit, auch mitzumachen?”), lernt das Kind am Modell seiner Fachkraft Rücksichtnahme und einen wertschätzenden Umgang mit anderen, wohingegen es sonst nur lernt, dass über Druck und Macht etwas erreicht werden kann.
Dem Kind wird die Chance genommen, sich in die Gruppe einzufühlen und Perspektive zu übernehmen, um darüber freiwillig aus sich heraus zu handeln.

 

Alternative: 5. Beispiel

Wenn Pädagog*innen dagegen im ruhigen und wertschätzenden Gespräch über Werte und Bedürfnisse mit dem Kind reden, möchte das Kind aus sich heraus zum Wohle der Gemeinschaft beitragen. In diesen Momenten hilft es auch, das Kind zu fragen:
“Hm, du hattest ganz viel Spaß und wolltest toben. Was glaubst du was sich z.B. Max oder Nina in dem Moment gewünscht hat? Kann es sein, dass die beiden traurig waren, weil ihnen das Morgenlied und die Gemeinschaft wichtig ist?”
Aus diesen Gründen und noch viel mehr Gründen, die ich aufgrund meiner eigenen jahrelangen Erfahrung als Pädagogin und Beraterin und aus einer differenzierten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema “Bestrafung und Belohnung” (klassischer Konditionierung) gesammelt habe, möchte ich deswegen alles dafür tun, dass Kinder ohne diese gewaltvolle Macht aufwachsen dürfen.

 

WICHTIG:

Es gibt einen Unterschied zwischen strafender und fürsorglicher Macht:
Bei strafender Macht stellst du dich über das Kind und verurteilst es dabei mit Worten und deiner inneren Haltung (“Du bist schuld, weil du nicht brav warst!”). Du nutzt deine Überlegenheit, um dem Kind zu zeigen, wo es lang geht und ein erwünschtes Verhalten schnell herbeizuführen.
Bei fürsorglicher Macht handelst du zum Wohl der Gruppe und auch zum Wohl des Kindes, das gerade nicht kooperieren kann. Auch hier kann es eine Auszeit für das Kind geben, allerdings bleibst du während der Auszeit mit dem Kind in Verbindung und schenkst ihm weiter Wertschätzung und richtest den Blick auf das unerfüllte Verhalten hinter dem Bedürfnis.

Falls du dich jetzt fragst, wie das in unserem System mit wirklich teilweise verheerende Bedingungen (schlechte Bezahlung, Personalmangel, Raumknappheit, Gruppengröße, großer Krankheitsstand usw.) möglich sein soll, möchte ich dich herzlich einladen, bei meinem Fachkräftekurs mit dabei zu sein:
BEDÜRFNISORIENTIERT in KiTa, KiGa und Schule
Bereits Hunderte von Fachkräften haben sich durch diese 14-tägige Online-Fortbildung bei mir ganz in ihrem Tempo weitergebildet und durften dadurch ihre Haltung zum Kind grundlegend verändern und Macht nur noch fürsorglich einsetzen. Auch erfährst du den Unterschied zwischen Bestrafung und logischer sowie natürlicher Konsequenz. Über die Eintragung auf der Warteliste sicherst du dir einen Rabatt und erfährst als Erste/r, wann es losgeht.

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Ich weiß, was für einen wertvollen und anspruchsvollen Job alle Fachkräfte machen. Durch den Kurs kann sich dein Beruf in deine absolute Berufung verwandeln, weil du jeden Tag so viel Liebe und Freude verschenken wirst und so viel Wertschätzung von Kindern und Eltern zu dir zurückkommen wird. Trage dich gerne bereits jetzt auf meiner Warteliste ein, damit du dabei sein kannst, wenn der Kurs im Dezember wieder startet.

Falls du Mama oder Papa bist und diesen Artikel liest, lade ich dich herzlich ein, Teil meiner Bindungs-Crew zu werden. Hier geht es zur Warteliste:

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Abschließend möchte ich noch einmal auf die Folgen durch Bestrafung oder strafende Macht eingehen:
Häufig ausgelöste Scham- und Schuldgefühle wirken dauerhaft negativ auf das kindliche Selbstwertgefühl.
Der präfrontale Kortex des Kindes (moralisches Gehirn) entwickelt sich durch Strafen nicht weiter => Das Kind wird in seiner emotionalen- und sozialen Entwicklung gehemmt.

Die Beziehung zur Bezugsperson leidet, worüber das Kind negative Beziehungserfahrungen macht und sich ohnmächtig und ausgeliefert fühlt. Darüber kann aggressives Verhalten verstärkt werden oder Unterwerfung beim Kind stattfinden (Rebellion oder Unterwerfung).
Wenn unerfüllte Bedürfnisse beim Kind nicht erfüllt werden, zeigen sich diese immer wieder an anderer Stelle in Form von Störungen (deshalb spreche ich von Hilferufen). Das Verhalten ist also nur kurzfristig erwünscht.

Wie geht es dir mit diesem Thema? Ich freue mich auf den Austausch mit euch in den Kommentaren!

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