DEIN EMPATHIEFEBRUAR FÜR DICH & DEIN KIND: Videos, Übungen, Listen

Immer wieder gibt es für Erzieher*innen und Lehrkräfte Situationen, die sehr herausfordernd sind. Große Bedürfnisunterschiede in Gruppen sowie Personalmangel führen nicht selten zu Stress und Überforderung bei Fachkräften. Wenn Kinder sich dann nicht an die Regeln halten und durch ihr Verhalten auffallen, greifen deswegen viele Pädagog*innen zu schädlichen Maßnahmen wie z.B. Auszeit, Verbote, stiller Stuhl oder zu ähnlichen Bestrafungen. Zahlreiche Pädagog*innen haben sogar in ihrer Ausbildung oder in ihrem Studium gelernt, dass Bestrafung eine sinnvolle Erziehungsmethode sei.

Warum es so wichtig ist, in der Familie, in Einrichtungen, in Krippen und Kindergärten sowie in Schulen auf Bestrafung zu verzichten, möchte ich dir in diesem Blogartikel fachlich fundiert erklären. Zusätzlich erfährst du, welche Alternativen es gibt, damit Kinder kooperieren und sich alle in der Gruppe wohl fühlen dürfen.

Nachdem ich am Lehrstuhl für Pädagogik und Psychologie an der LMU in München im Bereich der Entwicklungspsychologie geforscht habe und mich stark mit der Entwicklung des kindlichen Selbstwertgefühls beschäftigt habe, wurde mir klar, was Kinder brauchen, um sich geliebt zu fühlen.

Danach war ich selbst 7 Jahre Grundschullehrerin in jeder Klassenstufe sowie Klassenleitung. Zusätzlich habe ich durch meine Ausbildung im Bereich der Schulpsychologie viele verhaltensauffällige Kinder in insgesamt 10 verschiedenen Grund- und Mittelschulen begleitet. Außerdem durfte ich durch meine Tätigkeit als musikalische Früherzieherin in 3 unterschiedlichen Krippen und Kindergärten Erfahrungen sammeln.

Vielleicht bist du selbst Fachkraft und es liegt dir etwas daran zu verstehen, warum es entwicklungshemmend ist, Kinder zu bestrafen. Vermutlich hast du wie ich in der Ausbildung oder im Studium gelernt, dass Kinder belohnt und bestraft werden müssen, damit ein erwünschtes Verhalten erzielt werden kann. Deswegen gehst du vielleicht davon aus, deinen pädagogischen Auftrag zu erfüllen, wenn du ein Kind auf den stillen Stuhl setzt und es aus der Gruppe ausschließt.

 

Eventuell kommt dir dann folgende Geschichte bekannt vor:

Alle Kinder sitzen im Morgenkreis und du möchtest euer schönes Morgenritual beginnen und da gibt es dieses eine Kind, das nicht bereit ist, mitzumachen. Es läuft durch den Raum, macht Geräusche oder ärgert vielleicht sogar andere Kinder. Dein Puls steigt an und du bist genervt, bevor der Tag erst richtig begonnen hat. Schließlich hast du dir gestern extra Zeit genommen, etwas Schönes für die Kleinen vorzubereiten.

 

Wenn Fachkräfte mit Bestrafung reagieren:

Wenn auf dieses Verhalten mit Bestrafung reagiert wird und das Kind z.B. auf den stillen Stuhl gesetzt wird oder in einen anderen Raum für eine Auszeit geschickt wird, passiert im Kind Folgendes: Es stellt vielleicht sein Verhalten ein, weil es nicht ausgeschlossen werden möchte, gleichzeitig schämt es sich und fühlt sich schuldig. Vielleicht hat es sogar Angst.

Angst, Scham und Schuld wirken negativ auf das kindliche Selbstwertgefühl und das Kind hat aufgrund der starken Gefühle nicht die Möglichkeit, sich zu überlegen, wie es der Gruppe geht.

Das Sozialverhalten des Kindes verbessert sich also nicht, sondern das Kind unterlässt nur aus Angst sein Verhalten. Die Strafe hat also nicht dazu geführt, dass das Kind wirklich etwas gelernt oder verstanden hat. Es hat auch nicht gelernt, sich in die Gruppe einzufühlen und Perspektive zu übernehmen. Das Kind unterwirft sich deiner Macht und ist brav. Dabei bleiben trotzdem die Bedürfnisse des Kindes unerfüllt, das vielleicht gerade deine Aufmerksamkeit, Nähe und Beziehung braucht, um kooperieren zu können

 

Welche Folgen haben Bestrafung für das Kind?

1. Das kindliche Selbstwertgefühl leidet

Häufig ausgelöste Angst-, Scham- und Schuldgefühle wirken dauerhaft negativ auf das kindliche Selbstwertgefühl. Der präfrontale Kortex des Kindes (moralisches Gehirn, das für die Vernunft und Perspektivübernahme zuständig ist) entwickelt sich durch Strafen nicht weiter. Das Kind wird deshalb in seiner kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung gehemmt, wenn es bestraft wird.

2. Die Beziehung zum Kind leidet

Die Beziehung zur Bezugsperson leidet, worüber das Kind negative Beziehungserfahrungen macht und sich ohnmächtig und ausgeliefert fühlt. Darüber kann aggressives Verhalten verstärkt werden oder Unterwerfung beim Kind stattfinden (Rebellion oder Unterwerfung).

3. Bedürfnisse bleiben unerfüllt

Wenn unerfüllte Bedürfnisse beim Kind nicht erfüllt werden, zeigen sich diese immer wieder an anderer Stelle in Form von Störungen (deshalb spreche ich von Hilferufen statt von Störungen). Das Verhalten des Kindes ist also nur kurzfristig erwünscht. Das ist übrigens auch der Grund, warum Kinder sich dann nur „brav“ verhalten, wenn die Fachkraft etwas sehen könnte. Sobald sich das Kind unbeobachtet fühlt, zeigt es dann trotzdem wieder das unerwünschte Verhalten (z.B. Schubsen oder Schlagen).

4. Das Kind kompensiert seine Ohnmacht durch Gewalt

Kinder lernen durch strafende Macht, dass durch Gewalt etwas erreicht werden kann. Sie lernen, dass – sobald keiner zuschaut – ein Kind Macht Schwächeren gegenüber anwenden könnte, um seine Ohnmacht zu kompensieren.

Fazit:

Aus diesen Gründen und noch viel mehr Gründen, die ich aufgrund meiner eigenen jahrelangen Erfahrung als Pädagogin und Beraterin und aus einer differenzierten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema “Bestrafung und Belohnung” (klassischer Konditionierung) gesammelt habe, möchte ich alles dafür tun, dass Kinder ohne diese gewaltvolle Macht aufwachsen dürfen.

 

Gerne möchte ich dir an ein paar Beispielen zeigen, wie du als Fachkraft reagieren kannst, um auf Strafen zu verzichten:

1. Mit dem Kind in Verbindung gehen

Die Fachkraft kann Nähe zum Kind aufbauen und ihm Führung durch geistige und körperliche Präsenz anbieten. Sie kann ihm ins Ohr flüstern: “Bist du noch ganz aufgeregt und möchtest dich bewegen? Möchtest du dich neben mich setzen im Kreis? Schau mal, alle anderen Kinder freuen sich schon sehr auf unser GUTEN-MORGEN-LIED. Bist du auch bereit, mitzumachen?” Wenn die Fachkraft z.B. kurz mit dem Kind spricht, sich auf seine Augenhöhe begibt und ihm, wie oben beschrieben, Einfühlung und Führung schenkt (“Du bist ganz aufgeregt. Du bist noch nicht bereit, leise zu sein. Ich setze mich zu dir und wir beginnen jetzt das Lied, weil alle in der Gruppe sich schon so darauf freuen. Bist du bereit, auch mitzumachen?”), lernt das Kind am Modell seiner Fachkraft Rücksichtnahme und einen wertschätzenden Umgang mit anderen, wohingegen es sonst nur lernt, dass über Druck und Macht etwas erreicht werden kann.

2. Einfühlung in das Kind

Die Fachkraft kann sich die Frage stellen, wie sich das Kind gerade fühlt und was es braucht. Vielleicht haben seine Eltern morgens gestritten oder es war ganz stressig und das Kind braucht erst noch Zeit, um anzukommen? Vielleicht fällt ihm auch der Übergang schwer oder es möchte den anderen Kindern zeigen, wie lustig es sein kann (Bedürfnis nach Zugehörigkeit). Dieser feinfühlige Blick kann helfen, um keine Macht ausüben zu müssen.

Das Kind rebelliert vielleicht auch und wird zornig und wütend, worüber das sogenannte Reptiliengehirn aktiv wird. In diesem Zustand ist das Kind nicht in der Lage, mitzumachen. Es wird von seinen Gefühlen übermannt.

3. Das Erziehungsziel reflektieren

Die Fachkraft könnte tief durchatmen und sich überlegen, welches Ziel sie in der Erziehung des Kindes verfolgt und was jetzt gerade wichtiger ist. Das Funktionieren des Morgenkreises oder das Wohl aller Kinder? Natürlich steht die Gruppe in einer Einrichtung oder Schule im Fokus und wenn ein Kind morgens bereits sehr bedürfnisstark und bindungsleer ankommt, gibt es manchmal keine andere Wahl, als mit dem Kind kurz den Raum zu verlassen, um die Gruppe zu schützen. Gleichzeitig ist es dabei möglich, das Kind nicht für sein Verhalten zu verurteilen und das Bedürfnis hinter dem Verhalten zu erkennen.

4. Ein ruhiges Gespräch mit dem Kind

Wenn Pädagog*innen im ruhigen und wertschätzenden Gespräch über Werte und Bedürfnisse mit dem Kind reden, möchte es aus sich heraus zum Wohle der Gemeinschaft beitragen. Kindern ist es nämlich nicht egal, wie es anderen Menschen geht. Sie sind soziale Wesen und können sich ab ca. 2 ½ Jahre mehr und mehr in andere Kinder einfühlen. So könnte dieses Gespräch aussehen: “Hm, du hattest ganz viel Spaß und wolltest toben. Was glaubst du, was sich z.B. Max oder Nina in dem Moment gewünscht hat? Kann es sein, dass die beiden traurig waren, weil ihnen das Lied und die Gemeinschaft wichtig sind? Was machen wir denn jetzt, damit sich morgen im Morgenkreis alle wohlfühlen?”

 

Wie kann ich als Fachkraft trotzdem die Gruppe schützen?

Vielleicht fragst du dich als Fachkraft, wie das alles in einer großen Gruppe funktionieren soll? Ich habe selbst so viele Kinder in großen Gruppen begleitet und weiß, dass das nicht immer leicht ist.

Deswegen möchte ich dir den Unterschied zwischen strafender und fürsorglicher Macht erklären.

Bei strafender Macht stellst du dich über das Kind und verurteilst es dabei mit Worten und deiner inneren Haltung (“Du bist schuld, weil du nicht brav warst!”). Du nutzt deine Überlegenheit, um dem Kind zu zeigen, wo es lang geht, und um ein erwünschtes Verhalten schnell herbeizuführen.

Ein Beispiel: Du schließt das Kind aus dem Sitzkreis aus uns sagst:

„Geh auf den stillen Stuhl. Erst wenn du brav bist und mitmachst, darfst du wieder kommen.“

Bei fürsorglicher Macht handelst du zum Wohl der Gruppe und auch zum Wohl des Kindes, das gerade nicht kooperieren kann. Auch hier kann es eine Auszeit für das Kind geben, allerdings bleibst du während der Auszeit mit dem Kind in Verbindung, schenkst ihm weiter Wertschätzung und richtest den Blick auf das unerfüllte Verhalten hinter dem Bedürfnis.

Beispiel: Du denkst über z.B. das Kind, das gerade „stört“: „Gerade ist es ganz schwer für dieses Kind, mitzumachen. Vielleicht braucht es Nähe oder Bewegung. Ich versuche jetzt, sein Bedürfnis zu stillen.“

Hier gibt es den ganzen Artikel auch als PDF-Dokument:

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