1. Ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse Ernst nehmen: Um feinfühlig und intuitiv gesund auf Ihren Säugling reagieren zu können, sollten Sie sich unbedingt parallel darum kümmern, dass Ihre Bedürfnisse und Wünsche soweit erfüllt werden, dass Sie sich wohl fühl können. Schaffen Sie sich sobald wie möglich kurze Freiräume und bemühen Sie sich darum, dass auch Ihr Partner oder eine weitere Bezugsperson einen engen Kontakt zu Ihrem Baby aufbauen kann. Ihr Kind wird ansonsten Ihre Überlastung und Unzufriedenheit spüren. Das ist leichter gesagt als getan, wird sich aber lohnen, da Ihr Baby Ihre Entspanntheit spüren wird. Berichten zufolge, neigen zahlreiche Mütter dazu, sich selbst völlig aus den Augen zu verlieren und sich für Ihren Säugling aufzuopfern. Dabei fällt es vielen Müttern schwer, Ihre eigenen Bedürfnisse überhaupt noch wahrzunehmen, da diese von Hormonen überlagert sind. Helfen kann dabei z.B. sich an die Zeit vor dem Baby zu erinnern. Was hat mir damals gut getan? Was macht mich aus? Was musste ich damals tun, damit ich zufrieden mit mir bin? Das kann z.B. ein Treffen mit einer Freundin, ein fixer Sporttermin oder ein Theaterbesuch ohne Baby sein.
  2. Körperkontakt (Haut-zu-Haut Kontakt) und Blickkontakt: Unbestritten ist die positive Auswirkung von zärtlichem Körperkontakt und Blickkontakt zu Ihrem Baby. Studienergebnisse zeigen, dass sich z.B. die Körperwärme, Zuwendung und die Erregtheit der Mutter auf das Baby übertragen kann. Man spricht dabei von einer sogenannten Synchronisation zwischen Säugling und Bezugsperson. Nutzen Sie also insbesondere in der Anfangszeit jede Sekunde direkten Körperkontakt zu Ihrem Baby zu haben (beim Stillen, durch ein Tragetuch etc.).
  3. Kommunikation mit Ihrem Baby: Sprechen, singen Sie, kommentieren Sie, was Sie tun und beschreiben Sie die Umgebung. Das Gehör und die Sprachentwicklung Ihres Babys wird dadurch positiv beeinflusst. Darüber hinaus stehen Sie dadurch in einer konstanten Verbindung mit Ihrem Säugling.
  4. Geistige Präsenz beim Baby: Haben Sie Ihr Baby aufmerksam „im Blick“ und beobachten Sie, welche Signale Ihr Baby über Gestik, Körper und Mimik zeigt. Dazu gehört eine geistige Präsenz der Bindungsperson. Sehr kritisch ist dabei in unserer heutigen Zeit der ständige Blick auf das Handy, der Mütter davon ablenkt die Bedürfnisse Ihrer Babys wahrzunehmen.
  5. Individuelle Signale des Babys lesen: Sie als Bezugsperson können schon nach kurzer Zeit mit Ihrem Baby am Besten interpretieren, was Ihr Baby braucht und wie es sich fühlt. Wann hat Ihr Kind Hunger? Wann möchte Ihr Kind spielen? Wann möchte es Ihre körperliche Nähe, wann kann es sich schon selbst beschäftigen?
  6. Sofort auf die Signale reagieren: Wenn Sie direkt auf Signale des Kindes reagieren, lernt Ihr Säugling, dass sein Verhalten nicht nutzlos ist und eine Wirkung hat. Dies ist der erste Schritt zur Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins und Urvertrauens. Die Gedächtnisspanne eines Säuglings ist noch sehr kurz, weshalb eine schnelle Reaktion erforderlich ist, damit das Baby eine Verbindung zwischen seiner Bedürfnisäußerung und Ihrer Reaktion herstellen kann.
  7. Angemessen auf die Signale reagieren: Welche Reaktionen angemessen sind, spüren Sie selbst am Besten. Nicht nur ein gleichgültiges oder unaufmerksames Verhalten, sondern auch ein übertrieben ängstliches Verhalten kann in diesem Falle als unangemessen gelten. Angemessene Reaktionen richten sich dabei häufig auch nach den Entwicklungsphasen Ihres Babys. So ist es immer wieder so, dass ein zweimonatiger Säugling noch unbedingt Körperkontakt zur Beruhigung braucht, wohingegen ein Krabbelkind bereits durch gutes Zureden beruhigt werden kann.
  8. Lassen Sie Ihr Baby unter keinen Umständen schreien: Es gibt sehr fragwürdige Schlafmethoden, wie das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ sowie die „Freiburger Sanduhr-Methode“, die vorgeben man solle das Kind über kontrollierte Zeiträume schreien lassen. Diese Vorschläge sprechen allerdings völlig gegen aktuelle Studienergebnisse der Bindungswissenschaft. Das Bindungshormon Oxytocin, das durch Zuwendung der Eltern ausgeschüttet wird, ist im Moment des Schreiens unabdingbar, um das Stresshormon Cortisol abzubauen. Oxytocin wird auch ausgeschüttet, wenn sich das Baby nicht beruhigt, weshalb Sie unbedingt auch über einen sehr langen Zeitraum versuchen sollten Ihr Baby zu beruhigen. So lernt ihr Kind darüber hinaus, dass es angenommen wird, egal wie es sich fühlt.
  9. Rhythmus und Rituale finden: Bereits nach kurzer Zeit wird Ihr Säugling Ihnen einen Rhythmus vorgeben, der Ihren Alltag strukturiert und sowohl Ihnen als auch Ihrem Baby Sicherheit und Orientierung geben kann. Schlafrituale, Spielriutale, Baderituale und Essensrituale zu ähnlichen Zeiten zeigen sich hierbei z.B. als sinnvoll und wirken beruhigend auf Ihr Baby. Auch Besuche zu bestimmten Zeiten können hier z.B. sinnvoll sein. Dies bedeutet allerdings keineswegs, dass diese Rituale nicht auch in Ausnahmefällen, zugunsten Ihrer Bedürfnisse, abgewandelt werden können.
  10. Ermutigen Sie Ihren Säugling von Anfang an: Durch Ihre positive Mimik und ermutigende Gesten sowie Kommunikation, spürt Ihr Kind, dass Sie ihm etwas zutrauen. Ängstliche und überfürsorgliches Verhalten hingegen zeigt Ihrem Kind, dass es Angst haben sollte, Dinge auszuprobieren. Passen Sie Ihr unterstützendes Verhalten an die jeweilige Entwicklungsphase des Kindes an und informieren Sie sich deshalb darüber, wann Ihr Kind welche Fähigkeiten erlernt, um es entsprechend unterstützen zu können. Glaubensätze wie: „das schaffst du!“, „das kannst du alleine!“, „ich darf auch Fehler machen!“ usw. verankern sich bereits sehr früh im Unterbewusstsein Ihres Kindes.