#Scheidung und #Trennung sind in unserer Gesellschaft keine Ausnahme mehr. Wenn Eltern an dem Punkt angekommen sind, diesen Schritt zu gehen, gibt es hierfür Gründe, die keine Außenstehender verurteilen kann und darf. Erstrebenswert ist es natürlich, sich zunächst durch eine Paarberatung Hilfe zu holen. Meine Erfahrung zeigt allerdings, dass diese Entscheidung niemals leichtfertig getroffen wird und zahlreiche Versuche, die Ehe zu retten, schließlich scheiterten.

Eltern sind in dieser Phase häufig in sehr großer Sorge um ihre Kinder, da zahlreiche Vorurteile zum Thema „negative Auswirkungen“ auf Kinder kursieren. 

Es ist mir wichtig Eltern diesbezüglich zu beruhigen und sie dabei zu unterstützen, die Situation für alle beteiligten konstruktiv zu gestalten. Wenn Eltern einen entsprechenden Umgang mit ihren Kindern und miteinander wahren, können Kinder lernen, mit der Situationen umzugehen.

Ergebnisse einer Langzeitstudie von Mavis Hetherington zeigen auf, dass eine Scheidung und Trennung der Eltern in der akuten Situationen eine hohe Belastung für Kinder darstellt. Deutlich wurde in dieser und auch in weiteren Studien allerdings auch, dass diese seelische Belastung bereits ab dem 6. Monat nach der Trennung und spätestens nach 2 Jahren deutlich abnehmen kann, sofern diese Phase entsprechend begleitet wird. Trotz dieser emotional sehr herausfordernden Situation, ist es also für Kinder möglich, sich weiterhin geborgen und sicher bei beiden Elternteilen zu fühlen und keine langfristigen negativen Auswirkungen zu erleiden.

Bedeutsam ist es allerdings für Kinder, in dieser Risikophase gut begleitet und unterstützt zu werden. Viele soziale Einrichtungen in Deutschland und Familienberatungen bieten hierfür Hilfe an, die besonders Kindern, allerdings auch Eltern zu Gute kommt.

Folgende Punkte können Eltern im Umgang mit ihren Kindern beachten, wenn sie sich scheiden lassen.

  1. Gefühle der Kinder ernst nehmen. Kinder fühlen sich bei der Trennung der Eltern häufig schuldig, traurig, unsicher und haben Angst vor der Veränderung. Mach deinem Kind klar, dass es rein gar nichts mit ihm zu tun hat. Kinder denken, sie hätten es durch ein „besseres Verhalten“ verhindern können.
  2. Sprich mit deinem Kind über seine Gefühle und Bedürfnisse.Natürlich bist du selbst sehr beschäftigt mit dir und deinen Gefühlen. Nimm dir z.B. abends Zeit und gib Impulse, damit dein Kind darüber sprechen kann, was es bewegt. Geh auf das Gefühl ein. „Ich kann verstehen, dass dir das Angst macht.“ Ich versprechen dir, du musst keine Angst haben, weil…
  3. Suche im nach Unterstützung. Gibt es eine Bezugsperson in der Familie oder im Bekanntenkreis, der sich dein Kind anvertrauen kann. Schaffe bewusst Situationen, in denen dein Kind die Möglichkeit hat, sich mit einer neutralen Person auszutauschen.
  4. Vermeide es, deinem Kind ein schlechtes Gewissen zu machen. Egal was passiert ist, sollte dein Kind auf keinen Fall ein schlechtes Gewissen haben, wenn es mal mehr oder weniger Zeit mit Mama oder Papa verbracht hat. Dein Bedürfnis nach Zeit mit deinem Kind ist berechtigt und doch gilt es sich an dieser Stelle zurückzunehmen. Sonst steht dein Kind ständig zwischen den Stühlen. Dein Kind ist nicht dafür verantwortlich, deine Erwartungen zu erfüllen.
  5. Gibt deinem Kind die Möglichkeit zum traurig sein. Wenn dein Kind weint oder traurig ist, gib ihm das Gefühl, dass das wichtig und in Ordnung ist. Sag auf keinen Fall: „Du musst nicht traurig sein!“ sondern „Du bist ganz traurig, dass Papa nicht mehr da ist. Das kann ich verstehen.“ Tröste dein Kind und lass dir vom Gefühl deines Kindes kein schlechtes Gewissen machen.
  6. Gib deinem Kind Transparenz: Versuche alle Fragen, die dein Kind haben könnte schon ganz am Anfang zu beantworten, damit dein Kind genau weiß, welche Veränderungen auf es zukommen. Gib ihm dann noch die Möglichkeit alle offenen Fragen zu stellen und sucht gemeinsam nach Antworten.
  7. Gemeinsame Lösungen für die Zukunft. Gib deinem Kind das Gefühl, dass es mitbestimmen darf, wie die Zukunft aussieht. Macht es euch gemütlich, sorgt für eine angenehme Stimmung und sprecht zunächst darüber, wie ihr es euch als Eltern vorstellt und fragt danach, wie es sich dein Kind wünschen würde.

Beispiele: Weihnachten, Ostern, Ausflüge etc.

  1. Mama und Papa sind immer da. Kinder haben Angst, dass die Eltern dadurch plötzlich „ganz weg“ sein könnten. Sprecht beide darüber, dass ihr genau wie vorher immer da seid und erreichbar (wenn auch nur über Telefon) und dass diese Angst unbegründet ist, weil…
  2. Nehmt als Eltern das Verhalten der Kinder nicht persönlich. Verhaltensweisen der Kinder in diesen Phasen können sehr verletzend sein. Kinder versuchen in dieser Phase ihre Eltern häufig durch Vorwürfe „umzustimmen“. Geh auf das Gefühl deines Kindes ein, aber versuche nicht zu zeigen, dass Kinder dadurch ein schlechtes Gewissen bei dir erreichen. Ansonsten machen Kinder ständig damit weiter. Bleib in diesen Phasen bestimmt und klar bei deiner Entscheidung und erkläre nochmal ruhig und deutlich, warum ihr euch trennt und es bei der Entscheidung bleibt.
  3. Geht vor den Kindern respektvoll miteinander um. Rede auf keinen Fall schlecht über deinen Partner und zeige, dass du deinen Partner nach wie vor akzeptierst und magst. Streit in dieser Phase verstärkt das Schuldgefühl der Kinder.
  4. Bleib klar und bestimmt bei deiner Entscheidung. Umso klarer und selbstsicherer du weißt, dass die Trennung der richtig Weg ist, umso besser können Kinder die Trennung annehmen. Wenn Kinder spüren, dass du unsicher und voller Schuldgefühle bist, werden sie dadurch noch mehr verunsichert. Steh ruhig und selbstbewusst zu deinen Bedürfnissen und deiner Entscheidung. Nimm die Situation als Chance an und auch dein Kind wird die Situation besser annehmen können.

 

Egal wie sehr Eltern versuchen, ihre Kinder vor negativen Erfahrungen zu bewahren, wird es nicht ganz gelingen. Wir können Kindern aber beibringen, mit diesen herausfordernden Phasen im Leben umzugehen. Wir können sie stark machen für alle Erfahrungen, die das Leben bringt. Wir können ihnen zeigen, wie sie daran wachsen können und gestärkt aus diesen Situationen hervorgehen können.

Dabei begleite und unterstütze ich Eltern mit sehr viel Herzblut und Einsatz und bin gerne für Sie da. In solchen Situationen ist es ein Zeichen von Stärke, sich Hilfe zu holen.

Alles Liebe,

Dr. Martina Stotz