„Du entschuldigst dich jetzt sofort bei Sophia! Das hat ihr weh getan! Ansonsten darfst du jetzt nicht mit raus gehen!“

Immer wieder erlebe ich, dass Kinder auf diese oder eine ähnliche Weise dazu gezwungen werden, sich umgehend für ihr Verhalten zu entschuldigen.

Die Absicht der erwachsenen Person ist vermutlich dem Kind beizubringen zu den eigenen Fehlern zu stehen und sie wieder gut zu machen.

Doch lernen Kinder wirklich etwas, wenn sie unter Druck gesetzt werden und ein erwünschtes Verhalten erzwungen wird?

 

 

Ich bin der festen Überzeugung, dass durch Druck, Zwang und Müssen dieses Erziehungsziel nicht erreicht wird. Im Gegeteil: Ein Kind, das dazu gezwungen wird, sich zu entschuldigen, hat meiner Meinung nach im Erwachsenenalter entweder ein großes Problem damit, sich eigene Fehler einzugestehen und/oder fühlt sich ständig schuldig, weil ihm als Kind so oft die Schuld gegeben wurde.

Kennst du erwachsene Menschen, die ihre Fehler nicht eingestehen wollen, aus Angst verurteilt zu werden? Kennst du Menschen, die sich gar nicht entschuldigen können, weil sie sich sonst wertlos fühlen? Kennst du Menschen, die sich gefühlt immer die Schuld geben und Fehler bei sich suchen und sich deshalb gefühlt ständig entschuldigen?

Meines Erachtens sind das Menschen, die in ihrer Kindheit für Fehler verurteilt und zu Entschuldigungen gezwungen wurden.

 

 

Für unsere Kinder wünschen wir uns doch etwas anderes, oder?

Wir wünschen uns, dass Kinder zu Erwachsenen werden, die sich eigene Fehler verzeihen können, die sich aus tiefstem Herzen entschuldigen können und die Strategien haben, ihre Fehler wieder gut zu machen. Denn das ist die Voraussetzung für einen gesunden Umgang mit Fehlern.

Denn ist es nicht erleichternd „Entschuldigung“, „Es tut mir leid!“ oder „Das bedaure ich sehr!“ zu sagen und diese Worte auch so zu meinen und zu fühlen?

 

 

Ich erkläre Kindern gerne, was im Wort ENT-SCHULDIGUNG drin steckt. Wenn ich mich ent-schuldige und das wirklich so meine, befreie ich mich selbst von meiner Schuld und zeige meinem Gegenüber mein Mitgefühl. Wichtig ist, dass Kinder sich durch eine ENT-SCHULDIGUNG keine zusätzliche Schuld auferlegen.

Deshalb lohnt es sich, mit Kindern ab dem ca. 4. Lebensjahr über die Bedeutung von einer Entschuldigung oder von Bedauern zu sprechen. Ihr als Familie entscheidet, welche Bedeutung ihr diesen Worten gebt.

Ich selbst liebe die Vorstellung, sich durch das Wort Entschuldigung von seiner Schuld zu befreien. Suche gerne Möglichkeiten für eure Familie, wie ihr eine Entschuldigung ausdrücken möchtet.

 

Wie Kinder lernen, sich freiwillig – aus sich heraus – zu entschuldigen, das erfährst du in den folgenden Tipps.

 

Tipp 1: Entschuldigen und Bedauern vorleben.

Wenn du dein Verhalten bedauerst und du gerne anders reagiert hättest, entschuldige dich bei deinem Kind und sage z.B.: „Es tut mir leid, dass ich gerade so mit dir geredet habe. Ich bin heute ziemlich müde und brauche Schlaf. Es war echt doof, dass ich so meckerig war. Du kannst ja nichts dafür, dass ich zu wenig geschlafe habe!“

 

Tipp 2: Fehler wieder gut machen vorleben

Wenn du dein Verhalten bedauerst, versuche deinem Kind zu zeigen, dass du deinen Fehler wiedergutmachen möchtest. Du kannst z.B. auch fragen: „Wie kann ich das wieder gut machen?“ Wenn dein Kind noch klein ist und dich nicht versteht, geh in Verbindung mit deinem Kind, indem du z.B. mit ihm kuschelst und dein Herz wieder für es öffnest.

So hilfst du deinem Kind zu verstehen, dass Fehler wieder gut gemacht werden können.

 

Tipp 3: Reflektieren, was aus diesem Fehler gelernt werden kann

Mach dir bewusst, was du aus deinem Fehler für die Zukunft lernen kannst. Wenn du z.B. regelmäßig schreist und die Geduld verlierst, weil deine Bedürfnisse unerfüllt sind, versuche dich besser um dich zu kümmern. Wenn du z.B. den Geburtstag deiner Freundin vergessen hast, trage dir den Geburtstag in den digitalen Kalender ein und lass dich erinnern.

 

Tipp 4: Strategien, um Fehler wieder gutzumachen üben

Wenn dein Kind einen Fehler gemacht hat und du merkst, dass es sich schuldig fühlt, versuche ganz wertfrei mit ihm darüber zu sprechen und biete deine Hilfe an. Wenn dein Kind z.B. einen Freund geschlagen hat und dieses Verhalten bedauert, sage z.B.: „Tut es dir leid, dass du Marc geschlagen hast? Du warst total sauer und dann ist das passiert, oder?
Was könntest du denn beim nächsten Mal tun, wenn du richtig sauer wirst? Möchtest du dich entschuldigen? Wollen wir mal überlegen, wie du das wieder gutmachen kannst?“

Sucht dann gemeinsam nach Ideen, um Fehler wieder gut zu machen: z.B. Entschuldigungs-Brief, Entschuldigungsbild, etwas Gebasteltes, ein Versprechen, liebe Worte usw.

 

Tipp 5: Nachfühlen, wie es sich nach einer Entschuldigung anfühlt

Wenn Entschuldigen die Definition hat, wie ich sie oben beschreibe, hat es eine heilsame Wirkung für jede Beziehung, insbesondere für die Beziehung zu sich selbst. Frage deshalb dein Kind gerne, wie es sich gefühlt hat, als es sich entschuldigt hat und ermutige es, zu seinen Fehlern zu stehen. Am besten lernt es das, wie bereits beschrieben, an deinem Vorbild. Deswegen sage gerne nach einer Entschuldigung:

„Ich bin erleichtert, dass ich meinen Fehler wieder gut machen konnte. Möchtest du wissen, wie ich gerne reagiert hätte, anstatt zu meckern?“

 

Fazit:

Ich finde es wichtig, dass wir Kindern beibringen, sich zu entschuldigen und das eigene Verhalten zu reflektieren. Das ist für mich ein wichtiger Bestandteil der Wertevermittlung.

Wichtig ist nur, dem Kind sein Tempo zu lassen und es lediglich zu einer Entschuldigung zu ermutigen, anstatt Druck auszuüben. Du kannst deinem Kind auch dabei helfen, sich zu entschuldigen, falls es sich nicht traut.

Wie geht ihr mit Fehlern in eurer Familie um? Gibt es bei euch auch eine erwachsene Person, die sich nicht entschuldigen kann? Schreib mir gerne in den Kommentaren!

 

 

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Herzliche Grüße,
Martina

 

Fotoquelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-die-madchen-neben-grauer-wand-halt-1170900/ (zuletzt besucht am 22.05.2024)

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