Streit in der Partnerschaft belastet das Familienklima enorm und mir liegt viel daran, Eltern Strategien an die Hand zu geben, Konflikte friedvoll zu lösen.
In meinen Paarberatungen mit Eltern habe ich oft beobachtet, wie sich Paare enorm um ihre Beziehung bemühen. Ich bin beeindruckt, mit welcher Kraft Eltern versuchen, ihre Paarbeziehung aufrechtzuerhalten und Schwierigkeiten entgegenzutreten. In diesem Blogartikel bekommst du wertvolle Strategien, wie du eine gesunde Streitkultur in deiner Familie etablieren und kultivieren kannst.

Ich möchte dir wirksame Methoden und Tipps vorstellen, mit denen du für eine wertschätzende und liebevollere Atmosphäre in deiner Familie sorgen kannst.

Warum ist konstruktives Streiten für Kinder so wichtig?

Die Liebesbeziehung zwischen beiden Eltern beeinflusst die kindliche Entwicklung sehr. Kinder beobachten täglich die Interaktion ihrer Eltern und lernen darüber soziales Verhalten. Nach der sozial-kognitiven Lerntheorie übernehmen Kinder das Beziehungs-, sowie das Konfliktverhalten der Eltern und
übertragen es auf ihre eigenen Beziehungen – zum Beispiel auch auf die Geschwisterbeziehung.

Auf ähnliche Weise gestalten sie ihre eigenen Freundschaften und Partnerschaften, und auf ähnliche Weise gehen sie Konfliktsituationen an. Eine konstruktive Auseinandersetzung vor den Kindern, gefolgt von einer schnellen Versöhnung, trägt erheblich zur Entwicklung des Kindes bei. Es lehrt, Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken, unterschiedliche Bedürfnisse zu akzeptieren und Konflikte mit Wohlwollen zu lösen. Dies fördert ein gesundes Selbstwertgefühl und hilft Kindern, zu ihren Grenzen und Werten zu stehen.

 

Indem Eltern kurze, konstruktive Konflikte vorleben, lernen Kinder, welche Bedürfnisse und Werte in ihrer Familie wichtig sind. Mit einem festen Wertesystem entwickeln Kinder eine werteorientierte Lebensweise. Das Vorleben eines werteorientierten Lebens, das Einstehen für eigene Bedürfnisse und eine wertschätzende Atmosphäre tragen stark zur positiven und emotionalen Entwicklung des Kindes bei.

Von daher lohnt es sich, nicht nur für euch als Paar, sondern auch für euer Kind, in die Paarbeziehung zu investieren. An der eigenen Emotionsregulation und am eigenen Verhalten zu arbeiten, ist der wichtigste Schritt zu einem gesunden Beziehungsverhalten.

Negative Folgen einer anhaltenden destruktiven Streitkultur

Oft verletzen sich Paare gegenseitig ganz unbewusst. Das entsteht meistens aus der Not heraus, wenn Handlungsoptionen fehlen. Im Ursprung handelt jedes Elternteil für sich und nicht gegen den anderen. Unbewusst kann allerdings dieses Handeln in manchen Fällen das andere Elternteil sehr treffen. Beim Kind können solche destruktiven Auseinandersetzungen langfristig starke Schuldgefühle und ein negatives Selbstbild auslösen. Kinder entwickeln erst spät die Fähigkeit, andere Perspektiven einzunehmen und Situationen differenziert zu betrachten. Sie sind sehr egozentrisch, weshalb die negative Stimmung der Eltern oft ausschließlich auf sich selbst bezogen wird. Deshalb haben Kinder oft Scham- und Schuldgefühle, wenn Eltern streiten.

Lautstarke und aggressive Streitsituationen der Eltern können bei Kindern sogar Verlustängste auslösen und traumatisch sein. Häufige gegenseitige Vorwürfe können dazu führen, dass Kinder Grenzen und eigene Bedürfnisse mit Gefahr in Verbindung bringen, was negative Auswirkungen auf ihre Entwicklung haben kann.

Wenn ein Elternteil zu wenig für sich einsteht, kann dies dazu führen, dass Kinder in die Rolle des „Verteidigers“ geraten, was vermieden werden sollte. Eltern sollten ihre Meinungen offen vertreten und ihre Kinder nicht in eine solche Position bringen.
Jetzt fragst du dich vielleicht:

Sollten Eltern gar nicht (vor den Kindern) streiten?

Fehlendes Streiten ist genauso wenig zielführend. Es kann darauf hindeuten, dass beide Partner ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellen, aus Angst, ihre Meinung zu äußern, oder wenn einer bereits mit der Beziehung abgeschlossen hat. Des Weiteren können Kinder nicht am Vorbild ihrer Eltern lernen, wie konstruktiver Streit aussehen könnte. Übertriebene Harmoniesucht ist die Folge und Streit wird von diesen Kindern als große Bedrohung empfunden, da ihnen Konfliktlösestrategien fehlen.

Anleitung zum konstruktiven Streiten

Tipp 1: Benenne Gefühle und Bedürfnisse

Voraussetzung für konstruktives Streiten ist das Benennen der eigenen Bedürfnisse und Gefühle. Dein Partner mag die Gefühle in dir auslösen, aber du bist für diese Gefühle verantwortlich. Diese Erkenntnis, dass du für deine Gefühle verantwortlich bist, eröffnet dir viel Freiheit und Unabhängigkeit.

 

Es schenkt dir Freiraum, für dich selbst zu sorgen. Du gehst raus aus der Opferrolle, rein in die Eigenverantwortung. Es ist eine wirksame Methode gegen Abhängigkeiten. Und sie schafft eine wundervolle Brücke zwischen zwei Liebenden. Dafür ist es wichtig für dich, dein Gefühls- sowie Bedürfniswortschatzes zu erweitern. Dafür möchte ich dir einige Beispiele geben.

Unangenehme Gefühle: hilflos, verzweifelt, erschrocken, müde, erschöpft, sauer, überfordert, frustriert, unsicher, einsam

Angenehme Gefühle: beschwingt, fröhlich, stolz, geliebt, erleichtert, glücklich, zufrieden,

Bedürfnisse: Interesse, Geborgenheit, Nähe, Verständnis, Leichtigkeit, Ordnung, Erholung, Unterstützung, Wertschätzung

Verzichte auf Vorwürfe: Vorwürfe führen dazu, dass das Gehirn blockiert wird. Eine Beziehung kann nicht auf Vorwürfen, Schuldzuweisungen und Forderungen aufgebaut werden.

Vorwürfe und Schuldzuschreibungen sind z.B.:
“Du weißt, dass ich das nicht mag!”
“Wie oft muss ich dir das noch sagen?”
“Immer muss ich alles alleine machen.”
“Immer nur ich.”
“Ist ja wohl klar, dass ich sauer bin.”
”Du machst mich wütend.”
“Das nervt mich.”
“Das macht mich traurig.”

 

Stattdessen könnt ihr Ich-Botschaften formulieren:

„Ich bin sauer, weil mir xy wichtig ist!“
„Ich bin genervt und brauche Unterstützung!“
„Ich bin einsam und brauche Nähe!“

 

Tipp 2: Zeige dich verletzlich!

Grundsätzlich möchten alle Partner zu dem Wohlbefinden des anderen beitragen. Entscheidend dafür ist die Freiwilligkeit. Deshalb hilft es, deinen Partner freundlich um seine Unterstützung zu bitten, anstatt diese mit Befehlston oder einem Vorwurf einzufordern. Es kann natürlich auch Momente geben, in denen dein Partner noch nicht oder gar nicht bereit dazu ist. Manchmal ist es notwendig Kompromisse zu finden. Das bedeutet, dass beide auf etwas verzichten und dafür ein bisschen von dem bekommen, was sie brauchen. Sie treffen sich in der Mitte.

Beispiele
„Ich bin erschöpft und brauche ein wenig Zeit für mich. Wärst du bereit mit den Kindern zum Spielplatz zu gehen?
„Ich bin wütend, weil mir Ordnung fehlt. Könnten wir später zusammen aufräumen? Ich würde mich so sehr freuen.“
„Ich bin total traurig und brauche Nähe. Würdest du mich einfach nur in den Arm nehmen und nichts sagen?“

 

Tipp 3: Exitstrategien nutzen

In Beziehungen kommt es manchmal zu kritischen Momenten. Es gibt Augenblicke, in denen du spürst, dass dein Partner sehr angespannt und gestresst ist. Dies kann ganz plötzlich passieren. Wenn dein Partner beginnt, dich zu belehren, dir Vorwürfe zu machen oder sogar zu schreien. Versuche innerlich „Stopp!“ zu sagen und sei dein eigener Schutzschild. Atme dann tief durch und tue kurz etwas, was dir gut tut. Du kannst einen Schluck Wasser trinken oder dich ganz sanft streicheln. Du könntest dir selbst ein freundliches Lächeln schenken. Eventuell hast du dich sogar erschrocken. In diesem Fall sei zuerst mitfühlend mit dir selbst.

Solches Verhalten kann auch triggernd sein, besonders wenn du in deiner Kindheit oft belehrt oder angeschrien wurdest. Wenn deine Bedürfnisse keinen Raum hatten, kann dich ein ruppiger Ton daran erinnern und tief treffen. Es kann passieren, dass all diese Gefühle aus deiner Vergangenheit hochkommen – Gefühle der Hilflosigkeit oder Angst.

Versuche dann innerlich für dich da zu sein und Verständnis für dich zu haben. Schenke dir innerlich Trost und eine liebevolle Umarmung.
Nachdem du dich um dein inneres Kind gekümmert hast; übernehme dann im nächsten Schritt die
Erwachsenenperspektive im Hier und Jetzt. Erkundige dich nach deinem Partner und schenke ihm Empathie. Spiegele ihm sein Verhalten, allerdings erst, wenn du dich selbst wieder beruhigt hast.

 

Tipp 4: Nutzt Empathie als Krisenmanagement Tool bei Streit

„So wie du redest, habe ich mich gerade sehr erschrocken? Brauchst du erstmal Rückzug?“
„Geht es dir gut? Fehlt dir gerade was?“
„Da habe ich mich aber erschreckt. Was fehlt dir?“

Indem du das Verhalten deines Partners spiegelst und ruhig bleibst, hilfst du ihm, sich zu beruhigen. So könnt ihr gegenseitig füreinander da sein und euch in Momenten unterstützen, in denen ihr ausflippt. Das kann ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit fördern. Auf diese Weise lernt auch euer Kind, sich von negativen Schwingungen abzugrenzen und diese nicht auf sich selbst zu beziehen.

 

Tipp 5: Kümmert euch um die individuellen Bedürfnisse

Eltern, die ausgebrannt sind und gestresst, streiten viel häufiger als Eltern, die sich gut um die eigenen Bedürfnisse kümmern. Deswegen sorgt auch gegenseitig liebevoll dafür, dass ihr das bekommt, was ihr braucht.
Gebt euch Freiheiten und seid fürsorglich miteinander, denn das wirkt sich wieder positiv auf das Wohlbefinden jedes Einzelnen aus.
Achte darauf, dich nicht für die Kinder aufzuopfern und dem Partner einen Platz auf Augenhöhe neben dir zu schenken. Ansonsten passiert es leicht, dass sich ein Elternteil ausgeschlossen fühlt.
Fakt ist: Wenn Paare viel Streit seit den Kindern haben, sind meist viele unerfüllte Bedürfnisse der Grund. Sobald die Bedürfnisse (z.B. Schlaf usw.) wieder erfüllt sind, werden Paare wieder geduldiger und liebevoller miteinander.

 

Tipp 6: Wertschätzung

Schenkt euch in der Paarbeziehung täglich Wertschätzung, denn meistens seht ihr euch seit den Kindern nicht mehr ausreichend.
So geht´s:
„Ich freue mich sehr, dass du heute xy getan hast! Danke dafür!“
„Wow, du hast schon alles aufgeräumt! Da fühl ich mich gleich richtig wohl!“
„Du warst einkaufen und hast so lecker gekocht. Danke, dass du das immer übernimmst!“

 

 

Fazit:

In keiner Paarbeziehung läuft alles perfekt, da Bedürfnisse einfach oft unterschiedlich sind und alte Muster aus der Kindheit hochkommen. Deshalb: Streitet euch, sofern ihr das auf eine konstruktive Weise tut! Steht freundlich und gleichzeitig deutlich für eure Bedürfnisse ein, sucht gemeinsame Wege und Kompromisse.

Bleibt bei euch, sprecht eure Gefühle aus, ohne euren Partner anzugreifen. Besprecht komplexe und bedrohliche Themen ohne eure Kinder, sprecht gleichzeitig Bedürfnisse vor euren Kindern an und versöhnt euch auch vor euren Kindern wieder.
Ganz entscheidend ist: Zeigt euren Kindern, dass IHR euch um eure Gefühle kümmert und dafür sorgt, euch wieder zu vertragen, damit eure Kleinen nicht zu viel Verantwortung füreinander übernehmen.

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