Wie euer Morgen, Nachmittag und Abend entspannter wird
Rituale und immer wiederkehrende Routinen helfen nicht nur Kindern, sondern auch allen weiteren Familienmitgliedern, sich geborgen und sicher zu fühlen. Kindern hilft es, genau zu wissen, was sie erwartet. Festgelegte Rituale erfüllen das kindliche Bedürfnis nach Struktur, Sicherheit und Orientierung. Auch in zahlreichen Elternberatungen erlebe ich immer wieder, wie einfach Rituale zu mehr Entlastung und Ruhe in der Familie führen können.
Vielleicht kennst du das: Ihr steht morgens auf und schon nach kurzer Zeit wird es hektisch. Die Stimmung ist dann bereits in der Früh von Stress erfüllt und du bist einfach nur erleichtert, wenn dein Kind in der KiTa oder Schule ist.
Nicht nur morgens, sondern auch am Nachmittag und vor allem in der Abendroutine haben viele Eltern immer wieder Machtkämpfe mit ihren Kindern und Konflikte (auch unter den Geschwistern) häufen sich.
Wie du Diskussionen, Machtkämpfe und Konflikte durch Rituale reduzieren kannst, erfährst du in diesem Blogartikel.
1. Rituale für weniger Stress am Morgen
Damit du direkt morgens mit deinem Kind in Verbindung kommst, versuche bereits morgens das große Bedürfnis nach Bindung nach dem Schlafen zu stillen.
Rituale nach dem Aufwecken:
Mach gerne das Fenster auf und lass Licht und frische Luft ins Zimmer und kuschle noch eine Runde mit deinem Kind. Gerne kannst du natürlich auch ein kleines Lied singen oder es mit einem wiederkehrenden Spruch aufwecken.
Rituale im Bad:
Viele Kinder brauchen vor allem beim Waschen und Zähneputzen viel Nähe und Geborgenheit. Manchmal hilft es deshalb, wenn ihr Kuscheltiere mit ins Bad nehmt und spielerisch mit einem Rollenspiel alle Schritte erledigt. So kann z.B. der Teddybär zuerst die Zähneputzen, während dein Kind das Gesicht wäscht oder ein ausgedachter Zauberspruch kann dabei helfen, dass sich plötzlich der Mund zum Zähneputzen öffnet.
Spiel-Ritual:
Wenn ihr es schafft, versuche noch ein klein wenig Spielzeit einzuplanen, bevor du mit deinem Kind das Haus verlässt. Dein Kind kommt auf diese Weise leichter aus dem Bett, weil es sich aufs Spielen freut. Das Bedürfnis nach Spiel und Spaß wird darüber erfüllt und das Bindungssystem aktiviert, worüber dein Kind für den Tag gestärkt wird.
Rituale vor der Trennug:
Dein Kind braucht vor der Trennung vor allem viel Nähe und Geborgenheit. Nutzt deshalb gern den Weg zur KiTa oder Schule für kleine Näherituale. Erzähle z.B. eine Geschichte, was ihr macht, wenn ihr euch wiederseht oder kuschelt immer an der gleichen Stelle auf dem KiTa- oder Schulweg. Auch ein kleiner Schal oder ein Kuscheltier, das nach dir riecht oder von zu Hause mitgenommen werden darf, hilft deinem Kind sich dir auch noch nach der Trennung nahe zu fühlen.
2. Rituale für einen entspannten Nachmittag
Ritual zur Begrüßung:
Eine fröhliches Begrüßungsritual gibt deinem Kind Halt. Du kannst z.B. die Arme öffnen und es einmal durch die Luft wirbeln oder mit einem Zauberstab den Liebestank wieder auffüllen.
Manche Kinder lieben es auch, mit einer bestimmten Reihenfolge von Küssen begrüßt zu werden. Gib deinem Kind z.B zuerst einen Kuss auf die Stirn, dann auf die Nasenspitze und dann auf den Mund.
Ruheritual:
Damit dein Kind alle Reize verarbeiten kann, die es in der KiTA oder Schule aufgenommen hat, ist ein gemeinsames Ruheritual sehr empfehlenswert. Verzichtet in dieser Zeit gerne auf Hör- oder Bildschirmmedien und versucht dabei achtsam im Moment zu sein.
Kuschelt euch z.B. alle aufs Sofa oder gemeinsam ins Bett und schaut gemeinsam ein Buch an oder versucht euch für wenige Minuten nur auf die Atmung zu konzentrieren.
In meinem umfangreichen Bindungskurs gebe ich euch zahlreiche Ideen mit an die Hand, wie eure Kinder lernen, zur Ruhe zu kommen. Der Kurs startet wieder im November.
Ritual für Selbstwirksamkeit
Lebe deinem Kind vor, wie erfüllend es sein kann, Dinge zu erledigen und zu schaffen. Nachdem ihr euch ausgeruht habt, besprecht, was ihr heute noch schaffen möchtet (z.B. Haushalt, Einkaufen, Hausaufgaben). Sprecht genau durch, welche Schritte dafür nötig sind, um leicht ins Tun zu kommen (z.B. erst die Lernpakete vorbereiten und hinlegen).
3. Rituale gegen Stress in der Abendroutine
Essensritual:
Auch wenn dein Kind noch zu klein ist, um lange am Esstisch sitzen zu bleiben, entwickelt sich bei deinem Kind ein Gemeinschaftsgefühl durch gemeinsame Mahlzeiten.
Setzt euch deshalb, wenn möglich, gerne zusammen an den Tisch und zelebriert die gemeinsame Mahlzeit durch ein Tischgedicht oder indem ihr eine Kerze anzündet. Manchmal kann es auch Spaß machen ausnahmsweise auf dem Sofa eine Pizza zu essen oder ein Picknick auf dem Boden zu machen. Achtet gerne darauf, ohne Handy, Tablet und Fernsehen zu essen.
Bewegungs-Ritual:
Findet gerne noch ein kurzes Bewegungs-Ritual, das ihr gemeinsam an der frischen Luft umsetzen könnt. So könnte dein Kind z.B. noch eine kleine Runde mit dem Rad fahren oder auf dem Trampolin springen. Die Bewegungszeit an der frischen Luft hilft deinem Kind, abends besser in den Schlaf zu finden.
Toben-Ritual:
Bevor es ins Bett geht oder kurz vor dem Schlafen hat dein Kind meist noch das Bedürfnis eine Runde Quatsch zu machen. Es möchte darüber mit dir in Verbindung kommen. Spielt vielleicht noch eine Runde Fangen oder macht eine kleine Kissenschlacht. Achte darauf, dass dieses Ritual nicht direkt vor dem Schlafen liegt. Ansonsten ist dein Kind vielleicht zu aufgedreht und findet schwerer in den Schlaf.
4. Rituale vor der Einschlafbegleitung
Sorgenfresser-Ritual:
Nutzt gerne ein Kuscheltier oder einen anderen Gegenstand, um Sorgen des Tages anzusprechen und loszulassen. Sollte dein Kind nicht über seine Sorgen sprechen wollen, geh gerne mit gutem Vorbild voran und erzähle du eine kleine Geschichte von dir selbst. Du kannst z.B. auch eine Handpuppe nehmen und eine Geschichte erfinden, die vielleicht den Sorgen deines Kindes entspricht.
Dankbarkeits-Ritual:
Dankbarkeit hilft Kindern, entspannt einschlafen zu können und den Tag mit mit positiven Gedanken zu beenden. Zählt deshalb gerne vor dem Einschlafen mindestens 3 Dinge auf, für die ihr dankbar seid.
Das-habe-ich-geschafft-Ritual:
Mit diesem Ritual könnt ihr das Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit nochmal stillen. Erzählt euch, wie stolz ihr auf euch seid, dass ihr eure Aufgaben erledigt habt und nehmt euch gerne wieder eine oder mehrere neue Aufgaben für den folgenden Tag vor.
Was ich heute geschafft habe:
Kinder lernen jeden Tag etwas Neues – und sind zurecht stolz darauf. Mit diesem Ritual förderst du das Selbstvertrauen deines Kindes. Lass es vor dem Einschlafen überlegen, welche schwierige Situation es gut gelöst, welche Herausforderung es gemeistert oder was es sich zum ersten Mal getraut hat usw.
5. Wochenrituale
Immer wiederkehrende Rituale steigern nicht nur die (Vor)freude in eurer Familie, sondern helfen deinem Kind dabei, sich im Rahmen einer Wochen sicher und geborgen zu fühlen.
Gerne mache ich dir ein konkretes Beispiel für eine Woche.
Montag Abend ist Mama/Papaabend und die Babysitterin kommt
Dienstag Abend ist Mamaabend und Mama bringt die Kinder ins Bett.
Mittwoch Abend ist Papaabend und Papa bringt die Kinder ins Bett.
Mittwoch nachmittags kommen Freund*innen zum Spielen zu Besuch
Donnerstag ist Kinoabend mit der ganzen Familie.
Freitag nachmittags ist Ausflugnachmittag
Wichtig: Rituale dürfen nicht dazu führen, dass sich Eltern oder Kinder darüber eingeschränkt fühlen. Es ist also durch aus in Ordnung, Rituale immer wieder mal zu verändern oder auch ausnahmsweise ausfallen zu lassen.
Gleichzeit ist es sehr hilfreich, diese Abweichungen mit den Kindern zu besprechen und einen Wochenkalender anzulegen, der Orientierung schenkt. Tägliche Fixpunkte (wie z.B. gemeinsame Mahlzeiten) lohnt es sich in solchen Phasen trotzdem beizubehalten.
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Ich freue mich schon riesig auf dich!
Welche Rituale helfen euch im Alltag weiter? Ich freue mich auf den Austausch mit euch in den Kommentaren!
Danke für diese tollen Tipps, liebe Martina! Das ist so wertvoll und ich habe einiges mitgenommen, was ich ausprobieren werden. Insbesondere die Ideen zur Einschlagbegleitung sind großartig. Danke!
Liebe Maren,
ich danke dir sehr für deine wertschätzenden Worte! So schön, dass du dir aus dem Artikel etwas mitnehmen konntest!
Alles Liebe für dich und deine Familie!