Negative Gefühle wurden uns „aberzogen!“
Grundsätzlich gilt: Nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Gefühle gehören zu uns Menschen und somit auch zu uns als Eltern.
Der weltweit bekannte Psychologe Robert Betz spricht davon, dass vielen Erwachsenen beigebracht wurde Gefühle wie Ängste, Neid, Eifersucht, Wut, Scham, Schuld und Aggression zu unterdrücken. Negative Gefühle wurden dadurch vielen Generationen „aberzogen“. So werden sie häufig lieber verdrängt, weggedrückt und kompensiert durch Konsum, Alkohol, Essen, Arbeit, Anerkennung vom anderen Geschlecht, Arbeit etc…
Nicht selten ist dies für geraume Zeit sogar ein nützliche Schutzstrategie, um überleben zu können. Wenigstens muss man Schmerzen auf diese Weise kurzfristig nicht spüren.

Negative Gefühle kommen wieder, bis wir sie zulassen!
Ärgerlich ist nur, dass die ganze Bandbreite der negativen Gefühle immer wieder kommen wird, sogar noch stärker, wenn wir sie wegdrücken.
Unterdrückte Gefühle, die noch nicht von uns selbst angenommen wurden, werden dann vor allem vom Partner und ja, leider auch von den Kindern ausgelöst.
Robert Betz spricht hier von den sogenannten „Arschengeln“, die einen regelmäßig dazu zwingen, auch unangenehme Gefühle zuzulassen und auf sie einzugehen.
Umso enttäuschter sind also Mütter, wenn Kinder Ihre eigenen negativen Gefühle sogar noch verstärken oder sogar noch neue dazukommen, anstatt sie zu verringern. Die Erwartung wird häufig aufs Bitterste enttäuscht und aus meiner Sicht ist so der überaus bedenkliche Trend der #regrettingmotherhood erklärbar. Der Wunsch nach „Erfüllung“ und damit einem Leben „ohne negative Gefühle“ geht nicht in Erfüllung, sondern kehrt sich sogar ins Gegenteil?

Der richtige Umgang mit negativen Gefühlen:
Sollten Sie zu den wenigen glücklichen Menschen gehören, die schon im Elternhaus, in Ihrer Partnerschaft und/oder durch eine Therapie gelernt haben, wie man mit negativen Gefühlen umgeht, ist das eine sehr gute Voraussetzung für den Umgang mit Ihren Kinder. Dann ist es Ihnen nämlich möglich, die gesamte Bandbreite an negativen Gefühlen, die ausgelöst werden können, zuzulassen und sich diesen selbst anzunehmen. Sie sind dann in der Lage, sich um Ihr eigenes „inneres Kind“ zu kümmern, worüber negative Gefühle viel weniger Raum einnehmen.
Sie sind dann fähig zu spüren, dass Sie gerade müde, überfordert und erschöpft sind und können sich selbst das Verständnis zusprechen, das Sie sich so sehr von außen oder Ihrem Partner wünschen würden. Sie sind dann auch bereit, nach Lösungen zu suchen, die Sie entlasten, weil Sie sich und Ihre Gefühle Ernst nehmen und Sie äußern dann klar Ihre Bedürfnisse und fordern ein, was Sie brauchen. Solche Mütter sind dann nicht streng mit sich selbst und erwarten nicht zu viel von sich. Sie sind weich im Umgang mit sich selbst und deshalb auch weich im Umgang mit Ihrem Kind.
Schön wäre es, wenn Eltern lernen mit Ihrem eigenen „inneren Kind“ gut umzugehen, damit Sie dann auch feinfühlig auf Ihre eigenen Kinder eingehen können. Solche Eltern sagen dann z.B. zu sich und ihren eigenen Kindern
z.B.: „Es ist völlig ok, dass du traurig bist!“ anstatt „Das ist doch nicht so schlimm / Sei doch nicht so sensibel!“